Lebensraum Burg

Das wissenschaftliche Team unter der Leitung von Dr. Thomas Kühtreiber entwickelte ein inhaltliches Ausstellungskonzept, dem drei Hauptthemen und vier Zeitschnitte zu Grunde liegen. Burgen waren der Mittelpunkt vieler Grundherrschaften und bildeten als wehrhafte Wohn- und Verwaltungssitze die Machtbasen zur Ausübung von Herrschaft über Land und Menschen.
Deshalb wird zum einen den Menschen, die auf Burgen lebten und Spuren hinterlassen haben, das besondere Augenmerk geschenkt, zum anderem aber dem Raum in zweifacher Hinsicht: Dem Lebensraum Burg mit seinen vielfachen Nutzungen und Gestaltungen sowie dem „Land“, das durch Gründung von Siedlungen und Burgen vom mittelalterlichen und neuzeitlichen Adel und seinem Gefolge „untertan“ gemacht wurde. Dabei steht als geographischer Rahmen – gemäß dem Namen des Museums – das heutige Oberösterreich mit einem besonderen Fokus auf das Untere Mühlviertel im Vordergrund.

Da das zu vermittelnde Zeitfenster mindestens 600 Jahre – vom 11. bis zum 17. Jahrhundert – umfasst, soll auch dem Wandel von menschlicher Gesellschaft, Landschaft und Burgenbau in drei Zeitschnitten Rechnung getragen werden.

Im Hochmittelalter (11.-13. Jahrhundert) wurden weite Teile Oberösterreichs nach den Ungarnkriegen im 10. Jahrhundert wieder Teil des Herzogtums Bayern. Manche Regionen, wie das Mühlviertel, wurden nun sukzessive durch Rodungen mit Siedlungen und Höfen erschlossen. Der einsetzende Burgenbau ist das bis heute sichtbarste Zeichen der grundherrschaftlichen Erschließung. Die wichtigste Ressource für den Landesausbau waren Menschen, daher war (Landes-)Herrschaft in erster Linie Herrschaft über Menschen, weniger über Land.

Im Spätmittelalter (13.-15. Jahrhundert) war die siedlungsmäßige Erschließung des heutigen Oberösterreich weitgehend abgeschlossen. Der steigende Bevölkerungsdruck führte zu einem tiefgreifenden Wandel, der durch die Gründung von Städten und Märkten, aber auch durch die Bildung von Großherrschaften charakterisiert ist. Es bildet sich nun Landesbewusstsein als mehr oder weniger durch Grenzen fixierter Raum gemeinsamer Rechtsprechung und Verwaltung aus.


In der frühen Neuzeit (16./17. Jahrhundert) findet der Wandel findet einen vorläufigen Abschluss: Die landesherrliche Macht und ihr Verwaltungsapparat konzentriert sich am Regentenhof in den (wechselnden) Residenzstädten, wie Wien und Prag. Parallel bildet sich dazu das „Adelige Landleben“ als von Italien und der klassischen Antike beeinflusstes Gegenkonzept aus: Adelige „Hausväter“ organisieren ihr Gut zunehmend nach unternehmerischen Gesichtspunkten. Bildung und Gelehrsamkeit ist nicht nur Ausdruck des neuen adeligen Selbstverständnisses, sondern findet auch in der überwiegenden konfessionellen Ausrichtung als Protestanten ihren Ausdruck.

Den Abschluss des zeitlichen Bogens bildet das „Nachleben der Burgen“: Ab dem 18. Jahrhundert werden immer mehr Burgen aufgegeben und zu Ruinen oder als Försterwohnungen oder Schulen genutzt. Gleichzeitig wird durch den Adel, aber auch das aufstrebende Bürgertum das „Mittelalter“ und mit ihm die Burgen als Zeugen einer „glorreichen Vergangenheit“ angesehen und neu in Szene gesetzt. Diese „Demokratisierung“ der Burgen führt zur heutigen Nutzung als Ausflugsziele und Event-Plätze oder als Orte für Museen.

 

Die aktuelle Dauerausstellung beinhaltet überwiegend mittelalterliche und neuzeitliche Funde von Prof. Alfred Höllhuber, die zum überwiegenden Teil von Burgen und Burgställen aus dem Unteren Mühlviertel stammen und bis zum Jahre 2005 das Inventar des Burgmuseums Reichenstein bildeten. Im Jahre 2006 wurde diese Sammlung vom OÖ Landesmuseum angekauft und im Rahmen eines Forschungsprojektes aufgearbeitet. Die Ergebnisse dieser Projektarbeiten und ein Teil der Sammlung Höllhuber des OÖ Landesmuseums bilden nunmehr die Dauerausstellung des Burgenmuseums.

 


Das wissenschaftliche Team

Mag. Dr. Thomas Kühtreiber, Inst. f. Realienkunde, Krems/Donau: Archäologe und Bauforscher mit dem Schwerpunkt "Burgen"

Mag. Klaus Birngruber M.A., Diözesanarchiv Linz: Historiker
PD Dr. Alice Kaltenberger, Wien: Archäologin, Schwerpunkt "Keramik"
PD Dr. Bernhard Prokisch, OÖLM Linz: Numismatiker und Kunsthistoriker
Mag. Christina Schmid, Linz: Archäologin, Schwerpunkt "Kleinfunde"
Mag. Dr. Manfred Schmitzberger, Naturhistorisches Museum Wien: Archäozoologe